Mittwoch, 29. Mai 2013

2 x gezwickt, Hirnzwickerl *Träume nicht - lebe deinen Traum *

b i l d e r b u n t  *  

Träume nicht lebe deinen Traum




Schon wieder so ein klug-dumm-dämlicher Spruch im Umlauf, oft kopiert und weitergegeben. Wieviele gibt es eigentlich noch davon? Fällt die Sinnlosigkeit manch solcher Aussagen überhaupt noch jemanden auf? Wie soll z.B.ein hungriger Mensch seine Mahlzeit kauen von der er in der Tat nur träumen kann? Lautet hier die delikate  Empfehlung "beiß ins Gras"?
Wie bescheuert ist das denn?

Wie leben wir unsereTräume? Leben wir sie? 

Sollen wir danach streben sie zu leben? Können wir sie leben?

Meine Träume waren und sind Reisen, wurden oft vom Wunsch zur freudigen Wirklichkeit.
Gerade komme ich von einer Reise aus dem Sultanat Oman,  Reiseziel einer meiner absolut größten Träume.

Schon am ersten Tag unserer vielen geplanten Exkursionen, Land und Leute zu erforschen, ließ uns einen großen Traum platzen. Ich rutschte im Spagat aus, fiel wie ein umjubelter Fußballstar hin, nur bin ich leider keiner.

Jetzt war ich ganz schön schockiert, dass ich meine Beinmuskulatur nicht mehr unter Kontrolle hatte. Bei der ungewohnten Hitze von gut 30° C und gerade aus dem Winter kommend, war ich zudem einem Kreislaufzusammenbruch gefährlich nahe, alles drehte sich, die Ohren pfiffen. Doch eine Sweet 60-plus wie ich es bin ist erfahren und zur (Über-)Lebenstauglichkeit trainiert. An Ort und Stelle legte ich mich in der Sonne auf den Boden, die Füße hoch auf eine kleine Mauer, Hut ins Gesicht. Schließlich strotzte ich sowieso vor schlammig-schleimig-grünlichem nassen Dreck - und Dreck war mir grad ziemlich egal. Ich Schloss die Augen, rief alle himmlischen Helfer an und begann mit Atemtechnik. 

Ich hatte Ihnen in einem meiner ersten Hirnzwickerl "Moritz" vorgestellt, meinen ewig plappernden Verstand. Er konnte seine Klappe auch in dieser Situation mal wieder nicht halten. Quälte und bohrte mit Fragen wie "Warum? Wieso? Weshalb? Warum?  Ergibt das einen Sinn? Aus der Traum!“  Ich stöhnte wimmernd zurück "Ruhe! Wir erwarten keine Sinnerfüllung! Wir geben dem Leben einen Sinn! Wir wissen wer wir sind und schauen nach vorn! Also Moritz: Einatmen  Ausatmen!“

Mein Freund war am Ende mit seiner Nervenkraft und sich sicher: Dieser erste Tag ist das Ende eines wunderbaren Traumes, dessen Erfüllung gerade mal in seinen ersten jungen sonnigen glücklichen Stunden starb, diese Reise ist beendet. Immerhin habe ich meinen Liebsten schon mehrmals auf eine harte Probe gestellt und mir so einiges auf Reisen geleistet: Eine Rippenprellung, Schleimbeutelschwellung an beiden Knien mit Rollstuhlabenteuern, 3-tägiger Krankenhausaufenthalt wegen bedrohlicher Bronchitis sind genug!

Nun brauchte er wirklich eine Auszeit für gedankliche Verarbeitung, zum Schmollen, des Trostes und der Ermutigung.

Und schon wieder meldete sich Moritz mit frechem Grinsen, flüsterte mir ins Ohr. Da war doch dieser Wichtigtuer und unersetzliche Lebenslehrer: Wenn ein Mann  äh, natürlich meine ich " man"  sich in den Finger schneidet, leidet der ganze Körper. "Oh ja“, bestätigte ich, "man bedenke nur die Dunkelziffern unzähliger Fälle von z.B. Infektionserkrankungen wie Schnupfen, wenn Frauen zu unbezahlten Pflegekräften werden“. Moritz, halt die Klappe  Atmen, Ein - Aus - Ein - Aus!

Alles wendet sich zum Guten - vertraue dem Leben. 


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Nach jeder unruhigen Nacht auf einer für meinen Körper Lupina-Dolores viel zu harten Matratze biss ich die Zähne zusammen, versprach ihr viel Freude für diesen kommenden schönen sonnigen neuen Tag. Studierte täglich mit Interesse im Spiegel meinen hinteren Oberschenkel, dessen Muskel entsprechend zu einer sehr sportlichen Silhouette und für manchen Neider wunderbar anschwoll. Ich bestaunte das Herabsinken einer ca. 53 x 18 cm großen dunkelblauen Fläche direkt unter der Pobacke bis unter die Kniekehle. Ein Foto hab ich allerdings meinem Liebsten nicht gegönnt, nie und nimmer. Ich ließ mich an diesem Bein täglich verwöhnen, Strumpf und Schuh anziehen. Sortierte mich neu für die Abfahrt in einen glücklichen neuen Tag. Das verschobene Iliosakralgelenk musste warten.

Wir verbrachten teilweise tägliche Fahrten bis zu 400 km, ich allerdings sitzend auf der linken Pobacke, wenn wir dazwischen nicht zu Fuß unterwegs waren. Überstand ungezählte Humbles (Bremsbuckel) auf Osmanischen Straßen. Stieg aus dem Auto aus, stieg ein, stieg aus, stieg ein und wieder aus, betrachtete, bestaunte Umgebung und Natur, unterhielt mich, fotografierte, freute mich, jubelte. Ich erlaubte mir, mich als Primadonna zu benehmen, und statt zu sitzen, stand ich im Restaurant beim Essen, durfte auf und ab gehen und in die Runde schauen. Brauchte mich für nichts mehr Bücken müssen, endlich auch eine Pause davon. Ich klammerte mich wie ein Affe an den Arm meines lieben Freundes und tippelte an seiner Seite über spiegelglatte Marmorwege und durch weitläufige Marmorhallen. Er begriff endlich wie sehr ich an ihm hänge. Bei notdürftigen Geschäften  unterwegs, das mitunter ein  Problem sein konnte,  fand sich gegen die Attacken von Don R. Balken mit seinen bösen fremden Bakterien immer eine Gelegenheit zum Festhalten oder die hilfreiche Hand eines unsichtbaren Schutzengels der mir unmögliche Wege begehbar machte. Abends müde zurück nach Hause, schaffte ich 40 mal Stufe für Stufe mit dem belastbaren Bein hoch in den 2. Stock und sehnte mich danach, mich auf der großen harten Matratze auszustrecken und bis zum nächsten Morgen dort liegen bleiben zu können.

Ich habe keinen Traum gelebt, sondern das beste aus jedem Augenblick gemacht, die schönen Augenblicke aufgesogen, viele Eindrücke mitgebracht. Viele Fotos, die ich mit Euch auf YouTube nun teilen kann. Ihr werdet sie sicher jetzt mit anderen Augen betrachten. Das Leben will  gelebt und Freude geteilt sein. 

Die Freundlichkeit der Osmanis hat mein Herz erfüllt. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden. Fremde Menschen winken einem zu, begrüßen dich. Wir wurden von Fremden zum Tee, Kaffee, zum Lunch und Dinner eingeladen. Sie stellten uns ihre Familie vor, ihre Kinder.  Einmal wurden wir von einem Kioskbesitzer mit Wasserflaschen beschenkt, damit wir unterwegs ja nicht verdursten. Es gab eine kleine Flasche  Olivenöl für mein Bein zur Massage, einfach so bei einem Tee in einem Coffee Shop. Wir wurden mit einem kostenlosen Kamelritt völlig überrascht, dachten schon an Entführung und andere unheimliche Begegnungen, nur weil wir nach dem Weg fragten und durch Wildnis geführt wurden. In unserem deutschsprechendem Hausherrn in Muskat haben wir einen neuen Freund gewonnen. Selbstlos hat er uns seine Stadt gezeigt. In seiner geräumigen traumhaften Ferienwohnung mit wunderschöner Terrasse konnten wir uns nur wohlfühlen. Wir bekamen alles, das unser Herz erfüllte. Das Essen ist vielfältig und international, köstliche Datteln und frisch gepresste Säfte aller Fruchtarten. Ich habe Tiere gesehen, die mich zum Lachen brachten;



Dünen gesehen, von denen ich immer geträumt habe; türkis grünes Meer mit seinem Rauschen und seiner salzigen Luft eingesogen; km-lange Sandstrände bewandert; Suqs bestaunt, und das geruhsame Treiben der Menschen für die Termine nicht zwingend streng eingehalten werden müssen wie bei uns. Gesegnet sei dieses friedliche und freundliche Land. 

Doch habe ich mich auch an unsere weiblichen Vorkämpferinnen für Frauenrechte erinnert. Wir können sehr stolz darauf sein und zufrieden, wenngleich wir sicher noch nicht alles geschafft haben.  

Erinnern wir uns daran wer wir sind und was wir haben
Geben wir dem Leben einen Sinn 
Den Lichtblick und die Leichtigkeit finden wir dazu in unserem Herzen
Beginnen wir mit Respekt füreinander und klugen Worten 
sowie Achtsamkeit für uns 



Überprüfen wir die Trekkingsandalen unseres Lebens,
auch wenn wir rutschfeste Sohlen haben
könnten sie strapazierter sein als die unserer Wegbegleiter
und in manch einer Lebensetappe uns nicht immer sicher halten

                                                          alle Rechte vorbehalten © Katharina Hecht